Gewächshausschmierlaus (Tomatenwolllaus)Quelle: Wikimedia CommonsBachelot Pierre J-PCC BY-SA 3.0
Schädling

Gewächshausschmierlaus (Tomatenwolllaus)

Pseudococcus viburni Signoret, 1875
Kurzüberblick

Gewächshausschmierlaus (Tomatenwolllaus) – Kurzüberblick

Die Gewächshausschmierlaus, auch Tomatenwolllaus genannt, ist eine schwer erkennbare Schmierlaus an Zierpflanzen, Gemüse, Obstgehölzen und Weinreben. Sie saugt geschützt an Trieben, Blättern, Fruchtständen, Wurzeln oder unter Rinde. Weißes Wachs, Honigtau und Rußtau weisen auf den Befall hin. In Deutschland tritt sie vor allem in Gewächshäusern, Innenräumen und lokal im Freiland auf.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlattachseln, Blattunterseiten, junge Triebe, Zweige, Fruchtstände, Früchte, Rindenspalten und gelegentlich Wurzeln.
Begünstigende BedingungenWarme, geschützte Gewächshaus- und Innenraumbedingungen, dichter Pflanzenbestand, eingeschleppte befallene Ware, geringe Luftbewegung und fehlende Kontrolle versteckter Pflanzenteile.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Weibchen und Nymphen sitzen häufig versteckt in Blattachseln, an Trieben, unter Rinde, an Fruchtansätzen oder im Wurzelbereich. Ihr Körper ist von weißem, mehlig-wolligem Wachs bedeckt; die Art besitzt auffällige, jedoch nicht extrem lange Wachsfäden am Hinterende.

Durch das Saugen am Phloem werden Pflanzen geschwächt. Der ausgeschiedene Honigtau verklebt Blätter und Früchte und bildet die Grundlage für Rußtaupilze. Bei Weinreben kann P. viburni außerdem als Überträger des Grapevine leafroll-associated virus 3 (GLRaV-3) eine pflanzengesundheitliche Bedeutung haben; ein konkreter Virusnachweis muss jedoch separat erfolgen.

In Deutschland kommt die Art vor allem im geschützten Anbau und an Zimmerpflanzen vor. Freilandfunde, darunter ein bestätigtes Auftreten an Catalpa bignonioides in Baden-Württemberg, zeigen, dass eine lokale Überwinterung möglich ist.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Weiße, watteartige Wachsfäden, Kolonien oder Eiersäcke an Trieben, Blattachseln, Blattunterseiten, Früchten und unter lockerer Rinde.
  • Klebriger Honigtau auf Blättern, Töpfen, Unterlagen oder darunter stehenden Pflanzenteilen.
  • Schwarzer Rußtau auf honigtauüberzogenen Oberflächen.
  • Vergilbung, Blattverformung, verlangsamtes Wachstum, Welke oder vorzeitiger Blatt- und Fruchtfall bei stärkerem Befall.
  • Bei Weinreben: Qualitätsminderung der Trauben und mögliche Beteiligung an der Verschleppung von Blattrollviren.

Eine Verwechslung mit Planococcus citri oder Pseudococcus longispinus ist häufig. Für eine belastbare Diagnose sollten erwachsene Weibchen mikroskopisch oder molekular untersucht werden.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Verschleppung erfolgt hauptsächlich mit befallenen Jungpflanzen, Stecklingen, Topfballen, Schnittgut, Erntegut, Werkzeugen und Arbeitsgeräten. Die beweglichen Junglarven, sogenannte Crawler, wandern aktiv auf der Wirtspflanze und können durch Wind oder den Kontakt benachbarter Pflanzen weitergetragen werden. Ameisen können Kolonien durch den Schutz vor natürlichen Feinden begünstigen und zur Verteilung beitragen.

Bei importiertem oder dicht steh­­endem Pflanzenmaterial ist das Einschleppungsrisiko besonders hoch. In beheizten Gewächshäusern und Innenräumen können sich mehrere überlappende Generationen entwickeln.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Die Entwicklung verläuft ohne Puppenstadium über Ei, drei weibliche Nymphenstadien und das erwachsene Weibchen. Männchen entwickeln sich über zusätzliche Präpuppen- und Puppenstadien in einem länglichen Wachskokon und leben kurz.

Die Weibchen legen mehrere hundert orangegelbe Eier in einen watteartigen Eiersack. Je nach Temperatur schlüpfen die Crawler nach ungefähr 5–10 Tagen. Unter warmen Bedingungen erreichen Weibchen die Geschlechtsreife etwa sechs Wochen nach dem Schlupf; in kalifornischen Weinbausystemen wurden zwei bis drei Generationen, in warmen Zitruskulturen mehr Generationen pro Jahr beschrieben.

In Deutschland ist die Entwicklung im Gewächshaus oder Innenraum nahezu ganzjährig möglich. Im Freiland überwintern verschiedene Stadien, besonders unter Rinde und in geschützten Ritzen; die Populationsentwicklung verlangsamt sich bei Kälte.

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Behandlung und Bekämpfung

  1. Befallene Pflanzen isolieren und den Befallsumfang an allen Pflanzenteilen einschließlich Wurzelhals und Topfballen prüfen.
  2. Einzelne Kolonien mit Pinzette, weichem Pinsel oder angefeuchtetem Tuch entfernen. Bei robusten Pflanzen kann vorsichtiges Abbrausen viele Crawler und erwachsene Tiere lösen.
  3. Stark befallene Triebe oder Blätter zurückschneiden und sicher entsorgen. Wiederholte Kontrollen im Abstand von etwa 7–10 Tagen sind erforderlich, weil Eiersäcke und versteckte Tiere überleben können.
  4. Im Gewächshaus biologische Gegenspieler einsetzen, sobald die Art und die Befallsstärke geklärt sind. Der Erfolg hängt von Temperatur, Luftfeuchte, Pflanzendichte und dem Verzicht auf breit wirkende Mittel ab.
  5. Bei Weinreben oder wertvollen Mutterpflanzen einen Befall fachlich bestätigen lassen und bei Verdacht auf Blattrollvirus den zuständigen Pflanzenschutzdienst einbeziehen.
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Schonende und biologische Bekämpfung

Bei leichtem Befall sind manuelles Entfernen, Abbrausen und der Rückschnitt befallener Pflanzenteile meist die wichtigsten Maßnahmen. Gegen Schmierläuse können im geschützten Anbau spezialisierte Gegenspieler wie der Australische Marienkäfer Cryptolaemus montrouzieri, Florfliegenlarven und geeignete parasitoide Schlupfwespen eingesetzt werden. Die Nützlinge müssen nach Herstellerangaben und passend zu Temperatur und Kultur ausgebracht werden.

Kontaktwirkende Präparate auf Basis zugelassener Öle oder Kaliseifen können einzelne Tiere erreichen, wirken aber nur bei vollständiger Benetzung und nicht zuverlässig unter Wachsschichten oder in geschützten Spalten. Vor jeder Anwendung sind Pflanzenverträglichkeit, Kulturstadium und die aktuelle Zulassung in Deutschland zu prüfen; Hausmittel mit Alkohol, konzentrierter Seife oder unverdünnten Ölen können Blätter und Blüten schädigen.

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Vorbeugung

  • Neue Pflanzen mindestens mehrere Wochen getrennt von vorhandenen Beständen aufbewahren und regelmäßig mit Lupe kontrollieren.
  • Besonders Blattachseln, Triebspitzen, Topfränder, Unterseiten der Blätter, Wurzelhals und Rindenspalten untersuchen.
  • Befallene Pflanzen nicht ohne Sicherung weitergeben; Schnittgut und stark befallene Topfpflanzen in verschlossenen Säcken entsorgen.
  • Werkzeuge, Tische, Töpfe und Transportmittel reinigen, bevor sie an gesunden Beständen verwendet werden.
  • Ameisen auf der Pflanze und im Gewächshaus bekämpfen, ohne dabei Nützlinge unnötig zu beeinträchtigen.
  • Bestände nicht unnötig dicht stellen und regelmäßig auf Honigtau, Rußtau und einzelne Crawler kontrollieren.
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Wissenswertes

  • Pseudococcus viburni wird in der Literatur auch unter älteren Namen wie Pseudococcus affinis und Pseudococcus maritimus geführt.
  • Das dokumentierte Wirtsspektrum umfasst mindestens 296 Pflanzen aus 87 Familien; eine lange Wirtsliste bedeutet jedoch nicht, dass jede Pflanze gleich stark gefährdet ist.
  • Die Art wurde in Deutschland erstmals 2010 im Freiland in Baden-Württemberg festgestellt und ist dort pflanzengesundheitlich nicht geregelt.
  • Die auffälligen weißen Wachsfäden sind ein Schutz gegen Austrocknung und erschweren den Kontakt mit Spritzbrühen.
  • Für die automatische Verknüpfung sollten nur sicher belegte Wirte verwendet werden; die Artbestimmung bleibt bei Mischbefall mit anderen Schmierläusen besonders wichtig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die konkrete Kultur und das betreffende Problem gesetzlich zugelassen sind. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanleitung beachten, Auflagen zu Anwenderschutz, Gewässer- und Bienenschutz einhalten und keine Mittel außerhalb des zugelassenen Anwendungsbereichs einsetzen. Wegen der versteckten Lebensweise und der Wachsschicht ist die Wirkung chemischer Behandlungen häufig unvollständig; integrierte, wiederholte Kontrollen und biologische beziehungsweise mechanische Maßnahmen sind vorzuziehen.