
Asterngilbe durch ‚Candidatus Phytoplasma asteris‘
‚Candidatus Phytoplasma asteris‘Asterngilbe durch ‚Candidatus Phytoplasma asteris‘ – Kurzüberblick
Die Asterngilbe ist eine systemische Phytoplasmenkrankheit, die zahlreiche Zier-, Gemüse- und Wildpflanzen befallen kann. Typisch sind Vergilbung, Verkümmerung, Blatt- und Blütenvergrünung, „Hexenbesen“ sowie blattartige Blütenorgane. Die Erreger werden durch phloemsaugende Zikaden übertragen. Eine erkrankte Pflanze lässt sich nicht dauerhaft heilen; entscheidend sind Diagnose, Entfernung und die Verringerung von Infektionsquellen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Asterngilbe ist keine Pilzkrankheit und auch keine gewöhnliche Nährstoffchlorose, sondern eine systemische Infektion der Siebröhren. Der Erreger wird beim Saugen an Pflanzen durch geeignete Zikaden aufgenommen und später mit dem Speichel in gesunde Pflanzen übertragen.
Besonders auffällig ist die Umwandlung von Blütenorganen in grüne, blattähnliche Strukturen. Je nach Wirt treten außerdem Gelbfärbung, Wachstumshemmung, Triebvermehrung und verkümmerte oder sterile Blüten auf. Eine sichere Zuordnung zu ‚Ca. P. asteris‘ ist anhand des Erscheinungsbildes allein nicht möglich; dafür ist eine molekulare Untersuchung erforderlich.
Symptome und Erkennung
- hellgrüne bis gelbe Blätter, häufig zusammen mit Wachstumshemmung und verkürzten Internodien;
- ungewöhnlich viele Seitentriebe oder dichte, besenartige Triebpolster („Hexenbesen“);
- grüne, blattartige Kronblätter oder zusätzliche kleine Blätter im Blütenkopf (Phyllodie und Vireszenz);
- verformte, kleine, unpigmentierte oder sterile Blüten;
- bei Gemüse und Feldkulturen je nach Wirt: Blattrollen, Rot- oder Violettfärbung, vorzeitiges Schossen und Qualitätsverlust;
- bei stark befallenen Pflanzen Rückgang, Absterben einzelner Triebe oder der gesamten Pflanze.
Die Symptome können ungleichmäßig auftreten. Ähnliche Bilder entstehen unter anderem durch Herbizidschäden, Eisenmangel, Viren, Milben oder andere Phytoplasmen.
Ursachen und Ausbreitung
Die Übertragung erfolgt überwiegend durch phloemsaugende Zikaden. In Europa kommen je nach Region und Phytoplasma-Stamm unterschiedliche Vektoren infrage; die häufig genannte nordamerikanische Asterzikade Macrosteles quadrilineatus ist daher nicht automatisch der maßgebliche Überträger in Deutschland.
Nach der Aufnahme muss sich der Erreger im Insekt vermehren und in dessen Speicheldrüsen gelangen. Danach kann die Zikade mehrere Pflanzen infizieren. Infektionsquellen sind erkrankte Kultur- und Zierpflanzen, mehrjährige Wirtspflanzen sowie geeignete Unkräuter und Pflanzenreste. Eine Übertragung durch Samen ist für die praktische Ausbreitung der Asterngilbe nicht der typische Weg; vegetatives Vermehrungsmaterial kann dagegen problematisch sein.
Lebenszyklus und Überdauerung
Phytoplasmen vermehren sich in den Siebröhren der Pflanze und werden mit dem Phloemsaft im Wirt verteilt. Eine Zikade nimmt den Erreger beim Saugen auf; nach einer latenten Entwicklungsphase kann sie ihn bei späteren Stichen weitergeben. Die Zeit bis zum sichtbaren Krankheitsbild hängt von Temperatur, Wirt, Erregervariante und Infektionszeitpunkt ab und kann mehrere Wochen betragen.
Mehrjährige Pflanzen und überwinternde Unkräuter können als Reservoir dienen. Zikadenbewegungen und ihre jahreszeitliche Aktivität bestimmen, wann neue Infektionen auftreten. In Deutschland ist das Risiko besonders während der Vegetationsperiode zu beachten, eine pauschale Vorhersage für jedes Jahr oder jeden Standort ist jedoch nicht möglich.
Behandlung und Bekämpfung
Eine infizierte Pflanze kann im Hausgarten und im Erwerbsanbau nicht zuverlässig geheilt werden. Schneiden einzelner Triebe beseitigt die systemische Infektion nicht. Stark verdächtige oder bestätigte Pflanzen sollten daher vollständig entfernt und nicht als Stecklings- oder Mutterpflanzen weiterverwendet werden.
Bei wirtschaftlich wichtigen Kulturen oder unklaren Symptomen empfiehlt sich eine Untersuchung durch ein geeignetes Pflanzendiagnoselabor, eine Landwirtschaftskammer oder den zuständigen Pflanzenschutzdienst. Zikadenbekämpfung allein heilt bereits infizierte Pflanzen nicht; sie kann nur im Rahmen eines standortbezogenen integrierten Konzepts die weitere Übertragung begrenzen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im biologischen und nicht-chemischen Pflanzenschutz stehen die Entfernung von Infektionsquellen, Unkrautmanagement, Kulturschutznetze und die Förderung eines vielfältigen, wenig anfälligen Bestands im Vordergrund. Pflanzen mit typischer Phyllodie oder starkem Hexenbesen sollten konsequent entfernt werden. Zikaden sind Teil des natürlichen Ökosystems; deshalb sind breit wirkende Maßnahmen gegen sie nicht pauschal sinnvoll und können Nützlinge sowie Bestäuber schädigen.
Bei Gemüse können zeitlich passende Netze, saubere Jungpflanzen, ausgewogene Bestandsführung und die Vermeidung unnötiger Randvegetation das Risiko reduzieren. Eine biologische Behandlung, die eine bereits systemisch infizierte Pflanze zuverlässig von ‚Ca. P. asteris‘ befreit, ist für den Haus- und Kleingarten nicht etabliert.
Vorbeugung
- Nur gesundes, kontrolliertes Saat- und Pflanzgut sowie verlässliches vegetatives Vermehrungsmaterial verwenden.
- Pflanzen regelmäßig kontrollieren, besonders auf Blütenvergrünung, Hexenbesen, auffällige Vergilbung und ungewöhnliche Triebvermehrung.
- Verdächtige Pflanzen mitsamt möglichst wenig Erschütterung ausgraben, in Säcke geben und über den Restmüll oder nach den örtlichen Vorgaben entsorgen; nicht kompostieren.
- Freiwillige Wirtspflanzen und relevante Unkräuter im Bestand und an angrenzenden Flächen reduzieren, ohne dadurch unnötig neue Zikadenbewegungen auszulösen.
- Junge empfindliche Kulturen bei lokal hohem Zikadenaufkommen mit feinmaschigem Kulturschutznetz schützen; Blüh- und Bestäuberschutz beachten.
- Werkzeuge nach dem Entfernen verdächtiger Pflanzen reinigen. Eine routinemäßige Desinfektion gesunder Pflanzen ist kein Ersatz für die Entfernung infizierter Bestände.
Wissenswertes
- Der Name „Phytoplasma“ bezeichnet bakterienähnliche Erreger ohne feste Zellwand, die im Pflanzenphloem und in ihren Insektenvektoren leben.
- Die auffällige Blütenvergrünung entsteht durch tiefgreifende Veränderungen der Pflanzenentwicklung und nicht durch eine einfache Blattchlorose.
- ‚Ca. P. asteris‘ umfasst genetisch unterschiedliche Stämme; deshalb können Symptome, Wirtsbereich und beteiligte Zikaden regional variieren.
- Dokumentierte Wirte reichen von Asteraceen und Gemüse bis zu Zierpflanzen, Getreide, Leguminosen und einzelnen Gehölzen. Ein gemeldeter Wirt ist jedoch nicht automatisch ein bedeutendes Reservoir unter deutschen Gartenbedingungen.
Es gibt keine verlässlich kurative Spritzbehandlung gegen eine bereits systemisch infizierte Pflanze. Pflanzenschutzmittel gegen Zikaden dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn das konkrete Produkt für die jeweilige Kultur und das jeweilige Problem aktuell zugelassen ist. Nur nach aktuellem Etikett beziehungsweise der amtlichen Zulassung anwenden; Aufwandmenge, Wartezeit, Anwenderschutz, Gewässerabstände und Auflagen strikt einhalten. Im Haus- und Kleingarten sind nicht-chemische Maßnahmen zu bevorzugen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum