Johannisbeerblasenlaus
Cryptomyzus ribisJohannisbeerblasenlaus – Kurzüberblick
Die Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis) ist eine wirtswechselnde Blattlaus an Johannisbeeren. Ihr Saugen an jungen Blättern verursacht auffällige, blasenartig aufgewölbte und je nach Johannisbeerart rötlich oder gelbgrün verfärbte Blattpartien. Der Schaden bleibt im Haus- und Kleingarten meist gering; Maßnahmen sind vor allem bei starkem Frühjahrsbefall sinnvoll.
Typische Bedingungen
Überblick
Cryptomyzus ribis befällt vor allem Rote Johannisbeeren, einschließlich weißfrüchtiger Sorten. Schwarze Johannisbeeren werden seltener besiedelt; dort erscheinen die Blattverfärbungen meist gelblichgrün statt rot. Die Läuse sitzen überwiegend auf der Blattunterseite innerhalb der durch ihre Saugtätigkeit entstehenden Aufwölbungen.
Das Schadbild ist auffällig, führt im deutschen Hausgarten aber gewöhnlich nicht zu erheblichen Wachstums- oder Ertragsverlusten. Eine Bekämpfung ist deshalb meist nur bei starkem und frühem Befall sinnvoll.
Symptome und Erkennung
Auf der Blattoberseite entstehen rundliche, blasige oder gallenartige Aufwölbungen. Bei Roten und Weißen Johannisbeeren verfärben sie sich häufig leuchtend rot bis dunkelrot, bei Schwarzen Johannisbeeren eher gelblichgrün.
- Blattunterseits sitzen kleine, grünlichgelbe bis weißlichgelbe Blattläuse in Kolonien.
- Die betroffenen Blätter können sich verformen oder vorzeitig abfallen.
- Nur bei starkem Frühjahrsbefall sind Wuchsdepressionen zu erwarten.
- Honigtau und Rußtau können bei stärkerem Befall zusätzlich auftreten.
Ähnliche Blasen oder Blattverformungen können auch andere Ursachen haben. Für die Diagnose sollten deshalb die Blattunterseiten kontrolliert werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Schäden entstehen durch das Saugen der Blattläuse an den jungen Blättern. Bereits wenige Tiere können die charakteristischen Blasen auslösen. Die Art überwintert als Ei an Johannisbeertrieben.
Im Frühjahr schlüpfen die Jungläuse und vermehren sich zunächst auf Johannisbeeren. Ab etwa Juni entstehen geflügelte Formen, die auf krautige Lippenblütler, besonders Ziest (Stachys), abwandern. Im Herbst kehren geflügelte Läuse zu Johannisbeeren zurück und legen dort die Wintereier ab. Wind, geflügelte Tiere sowie der Transport befallener Pflanzenteile fördern die Ausbreitung.
Lebenszyklus und Überdauerung
- Überwinterung: Eier liegen an Trieben der Johannisbeere.
- Frühjahr: Jungläuse schlüpfen zum Austrieb und saugen an den Blattunterseiten junger Blätter.
- Frühsommer: Nach mehreren ungeflügelten Generationen entstehen geflügelte Läuse, die den Primärwirt verlassen.
- Sommer: Mehrere Generationen leben überwiegend an Ziest-Arten; die genaue Nutzung weiterer Lippenblütler kann regional variieren.
- Herbst: Geflügelte Läuse kehren zu Johannisbeeren zurück und legen die überwinternden Eier an den Trieben ab.
Behandlung und Bekämpfung
Bei leichtem Befall genügt meist Beobachtung, da die auffälligen Blasen den Strauch gewöhnlich nur gering beeinträchtigen. Einzelne befallene Blätter können vorsichtig entfernt werden.
Bei starkem Befall sollten zunächst die Blattunterseiten mit einem kräftigen Wasserstrahl abgespült und stark besiedelte Blätter entfernt werden. Maßnahmen sind möglichst früh im Frühjahr durchzuführen, bevor sich die Population stark aufbaut. Ein später Sommereinsatz gegen die auf Ziest lebenden Generationen ist im Garten meist weder erforderlich noch besonders zielführend.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Blattläuse mit Wasser von den Blattunterseiten abspülen.
- Einzelne stark befallene Blätter oder Triebspitzen entfernen und entsorgen.
- Nützlinge durch vielfältige, blühende Gartenstrukturen und den Verzicht auf breit wirkende Insektizide fördern.
- Bei empfindlichen Jungpflanzen können Präparate auf Basis von Kaliseife oder Rapsöl in Betracht kommen, sofern sie für die betreffende Anwendung in Deutschland zugelassen und nach Etikett angewendet werden. Vorher an wenigen Blättern auf Verträglichkeit prüfen.
Die Blasen selbst verschwinden nach dem Befall nicht wieder; entscheidend ist die Verringerung der lebenden Läuse und der späteren Eiablage.
Vorbeugung
- Johannisbeersträucher regelmäßig kontrollieren, besonders beim Austrieb.
- Triebe nach der Eiablage im Herbst oder Winter durch Auslichtungs- und Erhaltungsschnitt reduzieren, sofern dies mit dem Erziehungs- und Ertragsschnitt vereinbar ist.
- Stark befallene Blätter frühzeitig abpflücken und über den Hausmüll entsorgen, nicht kompostieren.
- Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden, da sie weiches, starkes Blattwachstum und Blattlausvermehrung fördern kann.
- Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen schonen; blühende Begleitpflanzen fördern ihre Aktivität.
Wissenswertes
- Die Art wird im Deutschen auch als Rote Johannisbeerblattlaus bezeichnet, der etablierte Gartenname ist jedoch Johannisbeerblasenlaus.
- Die Blattblasen entstehen als Reaktion des Pflanzengewebes auf die Saugtätigkeit und nicht durch einen Pilzbefall.
- Rote Johannisbeeren sind der wichtigste Primärwirt; Stachys-Arten dienen als typische Sommerwirte.
- Der natürliche Gegenspieler Aphidius ribis ist als spezialisierter parasitoider Feind dokumentiert.
- Die auffällige Blattverformung bedeutet nicht automatisch einen wirtschaftlich relevanten Schaden.
Eine chemische Behandlung ist im Hausgarten normalerweise nicht erforderlich. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger. Maßgeblich sind das aktuelle deutsche Zulassungs- und Anwendungsetikett des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Aufwandmenge, Wartezeit, Abstandsauflagen, Anwendungszeitpunkt und Schutzvorschriften der Packung sind strikt einzuhalten. Keine Mittel außerhalb der zugelassenen Anwendung kombinieren oder einsetzen.
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