
Buchsbaumsterben
Calonectria pseudonaviculataBuchsbaumsterben – Kurzüberblick
Das Buchsbaumsterben wird durch den Pilz Calonectria pseudonaviculata verursacht und kann Buchsbäume bei feuchtwarmer Witterung innerhalb kurzer Zeit stark entlauben. Typisch sind hell- bis dunkelbraune Blattflecken, schwarze Streifen an grünen Trieben und plötzliches Absterben ganzer Zweige. Die Krankheit ist in Deutschland verbreitet; eine sichere Diagnose sollte besonders bei wertvollen oder umfangreichen Beständen labordiagnostisch bestätigt werden.
Typische Bedingungen
Überblick
Das Buchsbaumsterben befällt vor allem Arten und Sorten der Gattung Buxus. In Deutschland wurde der Erreger bereits 2005 in Nordwestdeutschland nachgewiesen und gilt inzwischen als verbreitet. Unter günstigen Bedingungen kann sich die Krankheit in dichten Beständen schnell ausbreiten.
Die Diagnose ist nicht allein anhand brauner Blätter sicher möglich, weil unter anderem Buchsbaumkrebs durch Volutella buxi, Frostschäden, Trockenstress und andere Blattfleckenerreger ähnliche Erscheinungen verursachen. Charakteristische schwarze Streifen an grünen Trieben sprechen jedoch besonders für C. pseudonaviculata; bei zweifelhaften Fällen ist eine Untersuchung durch ein Pflanzendiagnostiklabor sinnvoll.
Symptome und Erkennung
- Zunächst hell- bis dunkelbraune, oft rundliche Blattflecken mit dunklerem Rand; die Flecken können zusammenfließen.
- Blätter verfärben sich strohbraun, trocknen ein und fallen häufig rasch ab, zunächst oft im unteren Kronenbereich.
- An grünen Trieben entstehen längliche dunkelbraune bis schwarze Streifen oder eingesunkene Läsionen.
- Bei starkem Befall sterben einzelne Zweige oder ganze Pflanzen ab; die Wurzeln werden von diesem Erreger typischerweise nicht befallen.
- Bei feuchter Witterung kann an befallenen Pflanzenteilen ein weißlicher Sporenbelag sichtbar sein.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger bildet ungeschlechtliche Sporen, die klebrig sind und vor allem durch Spritzwasser, Regen, Gießwasser, befallenes Pflanzenmaterial sowie verschmutzte Schuhe, Kleidung, Werkzeuge und Geräte verbreitet werden. Besonders riskant sind der Zukauf symptomlos infizierter Pflanzen, dicht stehende Baumschulware und das Arbeiten in nassen Beständen.
Auch abgefallene Blätter und Pflanzenreste können Infektionsmaterial enthalten. Der genaue natürliche Wirtumfang ist nicht vollständig geklärt: Sicher beziehungsweise gut dokumentiert sind vor allem Buxus-Arten; Pachysandra und Sarcococca gelten ebenfalls als Wirte, wobei einzelne Nachweise aus Inokulationsversuchen stammen und die praktische Bedeutung je nach Art und Situation unterschiedlich sein kann.
Lebenszyklus und Überdauerung
Infektionen erfolgen überwiegend bei länger anhaltender Blattnässe, hoher Luftfeuchte und milden bis warmen Temperaturen. Die Sporen keimen auf nassem Pflanzengewebe, dringen über Spaltöffnungen oder direkt durch die Kutikula ein und bilden innerhalb weniger Tage neue Sporenträger. Dadurch entstehen bei feuchtwarmer Witterung mehrere Infektionszyklen während einer Vegetationsperiode.
Mikrosklerotien und infiziertes Blattmaterial können außerhalb des lebenden Wirts überdauern. In Deutschland sind daher besonders niederschlagsreiche Phasen von Frühjahr bis Herbst kritisch; dicht wachsende, schlecht abtrocknende Buchsbestände bleiben länger gefährdet.
Behandlung und Bekämpfung
Stark befallene Pflanzen oder eindeutig erkrankte Triebe sollten bei trockenem Wetter entfernt und vollständig aus dem Bestand gebracht werden. Das Schnittgut sicher verpacken und entsprechend den kommunalen oder behördlichen Vorgaben entsorgen; nicht auf dem Boden liegen lassen.
Bei wertvollen Einzelpflanzen kann ein früher Rückschnitt in gesund erscheinendes Holz zusammen mit konsequenter Hygiene und einer Verbesserung der Abtrocknung den Befallsdruck begrenzen. Stark entlaubte Pflanzen haben jedoch eine ungünstige Prognose. Eine Nachpflanzung sollte erst erfolgen, wenn Pflanzenreste entfernt und die Ursache geklärt wurde. Bei wichtigen historischen, gewerblichen oder größeren Beständen empfiehlt sich die Bestätigung durch ein Pflanzendiagnostiklabor und die Beratung durch Pflanzenschutzdienst oder Landwirtschaftskammer.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: Befallsherde früh erkennen, nasses Laub vermeiden, Pflanzen nicht eng zusammendrängen, Schnittwerkzeuge zwischen Pflanzen reinigen und krankes Laub sowie Schnittgut vollständig entfernen. Bei geringem Befall kann ein selektiver Rückschnitt befallener Triebe sinnvoll sein, sofern dadurch keine Sporen weiter verschleppt werden.
Eine verlässlich kurative biologische Bekämpfung, die den Erreger im etablierten Buchsbestand sicher beseitigt, ist derzeit nicht allgemein etabliert. Deshalb sollten biologische oder sogenannte „natürliche“ Präparate nicht als Ersatz für Diagnose, Hygiene und Bestandsmanagement betrachtet werden.
Vorbeugung
- Nur sichtbar gesunde, möglichst rückverfolgbare Buchspflanzen aus vertrauenswürdigen deutschen oder europäischen Baumschulen beziehen.
- Neue Pflanzen vor dem Einpflanzen mehrere Wochen getrennt beobachten; bei Verdacht nicht in bestehende Buchsbestände stellen.
- Ausreichenden Pflanzabstand und gute Luftbewegung fördern; dichte Hecken regelmäßig, aber nicht bei nassem Laub, auslichten.
- Überkopfberegnung vermeiden und möglichst bodennah beziehungsweise früh am Tag wässern, damit das Laub rasch abtrocknet.
- Werkzeuge, Schuhe, Handschuhe und Geräte nach Arbeiten an Buchs reinigen und geeignete Desinfektionsmaßnahmen nach örtlicher Fachberatung durchführen.
- Abgefallene Blätter und Schnittgut vollständig aufnehmen; befallenes Material nicht kompostieren, wenn eine sichere Inaktivierung im eigenen Kompost nicht gewährleistet ist.
- Bei bestätigtem Befall Nachbarpflanzen und alternative Buxaceae-Wirte wie Pachysandra oder Sarcococca mitkontrollieren.
Wissenswertes
- Calonectria pseudonaviculata wurde früher häufig als Cylindrocladium buxicola oder Cylindrocladium pseudonaviculatum bezeichnet.
- Der deutsche Erstnachweis erfolgte 2005 in Nordwestdeutschland; EPPO führt den Erreger inzwischen als in Deutschland vorhanden und verbreitet.
- Nicht jede braune Buchsbaumhecke leidet am Buchsbaumsterben: Besonders die schwarzen Triebstreifen helfen bei der Abgrenzung zu Volutella buxi und nichtinfektiösen Schäden.
- Die Empfindlichkeit variiert zwischen Arten und Sorten, doch keine Buchsbaumart gilt als vollständig immun.
- Die klebrigen Sporen erklären, warum Regen, Spritzwasser, Pflanzenhandel und verunreinigte Arbeitsausrüstung für die Verschleppung besonders wichtig sind.
Pflanzenschutzmittel wirken bei dieser Krankheit in erster Linie vorbeugend oder befallsunterdrückend und beseitigen bereits infiziertes Gewebe nicht zuverlässig. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Produkte, die für die konkrete Kultur und das konkrete Schadproblem aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Auflagen und maximale Anwendungshäufigkeit können sich ändern; maßgeblich ist stets die aktuelle amtliche Kennzeichnung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beziehungsweise das Etikett. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.