Tuberkelkrankheit der OliveQuelle: Wikimedia CommonsMohamed Mannaa and Young-Su SeoCC BY-SA 4.0
Krankheit

Tuberkelkrankheit der Olive

Pseudomonas savastanoi pv. savastanoi
Kurzüberblick

Tuberkelkrankheit der Olive – Kurzüberblick

Die Tuberkelkrankheit der Olive ist eine bakterielle Erkrankung, die vor allem Olivenbäume befällt. Typisch sind zunächst kleine, grünliche Wucherungen an Zweigen und Ästen, die später verholzen, dunkel werden und aufreißen. Der Erreger dringt meist durch Schnittstellen, Frost- oder Hagelschäden sowie andere Verletzungen ein und wird besonders bei feuchter Witterung durch Regenwasser und kontaminiertes Werkzeug verbreitet.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Zweige, Äste und Stamm; gelegentlich Blattnarben, Blätter, Fruchtstiele, Früchte und Wurzeln.
Begünstigende BedingungenFeuchte, regenreiche Witterung, lange Blatt- und Rindenfeuchte, zahlreiche Verletzungen, Frost- oder Hagelschäden sowie Schnittarbeiten bei Nässe.
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Überblick

Die Tuberkelkrankheit, auch Olivenbaumkrebs oder Olivenknotenkrankheit genannt, wird durch das phytopathogene Bakterium Pseudomonas savastanoi pv. savastanoi verursacht. Der wichtigste und sicher dokumentierte Wirt ist der Echte Ölbaum (Olea europaea). Die Erkrankung ist in mediterranen Olivenanbaugebieten verbreitet; in Deutschland ist sie vor allem bei importierten oder im Kübel überwinterten Oliven relevant.

Das Bakterium verursacht hyperplastische und hypertrophe Gewebewucherungen. Bei starkem Befall können Triebe und Äste absterben, junge Bäume geschwächt oder durch ringförmige Gallen eingeschnürt werden. Eine sichere Diagnose sollte bei untypischen Fällen durch ein pflanzenpathologisches Labor bestätigt werden, da auch andere Erreger und mechanisch bedingte Wucherungen ähnliche Veränderungen hervorrufen können.

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Symptome und Erkennung

  • Zunächst weiche, rundliche bis unregelmäßige, grünliche oder hellbraune Wucherungen an Zweigen, Ästen und Stämmen.
  • Mit zunehmendem Alter werden die Knoten hart, braun bis dunkel und bekommen eine raue, rissige Oberfläche.
  • Gallen entstehen bevorzugt an Schnittstellen, Blattnarben, Frost- und Hagelschäden oder anderen Rindenverletzungen.
  • Befallene Triebe können eingeschnürt werden, Blätter verlieren, zurücktrocknen und absterben.
  • Seltener sind Wucherungen an Blättern, Fruchtstielen, Früchten oder Wurzeln beschrieben.
  • Bei starkem Befall sind Ertrag, Triebwachstum und unter Umständen die Fruchtqualität beeinträchtigt.

Die sichtbare Galle allein beweist den Erreger nicht. Für die Abgrenzung zu anderen Krebs- und Gallenkrankheiten ist die Kombination aus Symptom, Wirt und Laboruntersuchung entscheidend.

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Ursachen und Ausbreitung

Das Bakterium besiedelt infizierte Gallen sowie zeitweise äußerlich Blätter und junge Triebe. Es dringt überwiegend durch offene oder frisch verheilte Verletzungen ein. Wichtige Eintrittspforten sind unsaubere Schnittwunden, Blattnarben, Risse nach Frost oder Hagel sowie Schäden durch Sturm, Reibung oder Geräte.

Regen, Spritzwasser und feuchte Witterung fördern die Verbreitung von Bakterienzellen von Gallen auf benachbarte Pflanzenteile. Auch kontaminierte Schnittwerkzeuge, Hände und Pflanzenmaterial können zur Verschleppung beitragen. Die Erkrankung tritt in niederschlagsreichen Perioden und bei lang anhaltender Blatt- und Rindenfeuchte meist stärker auf.

Angaben zu weiteren Wirten sind in der älteren Literatur teilweise durch eine frühere, breitere Verwendung des Namens P. savastanoi beziehungsweise durch andere Pathovare verzerrt. Deshalb sollte Olea europaea als der verlässlichste Verknüpfungswirt dieses Eintrags betrachtet werden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Das Bakterium überdauert in alten Gallen und kann sich auf der Oberfläche von Blättern und Trieben halten. Bei Regen oder hoher Feuchte gelangt es an verletzte Gewebe und kolonisiert zunächst die Wundbereiche. Anschließend wächst es in das Rindengewebe und kann sich lokal, teilweise auch in Leitgeweben, ausbreiten.

Die Wucherung entsteht durch eine vom Erreger beeinflusste Fehlregulation des Pflanzenwachstums. Dabei spielen unter anderem bakterielle Phytohormone wie Indol-3-Essigsäure und Cytokinine sowie weitere Virulenzmechanismen eine Rolle. Alte Knoten können erneut als Inokulumquelle dienen; eine vollständige Entfernung des sichtbaren Knotens beseitigt daher nicht automatisch alle Bakterien aus dem Baum.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine kurative Heilung bereits infizierter Holzpartien ist nicht zuverlässig möglich. Bei einzelnen Gallen können befallene Zweige beziehungsweise Äste großzügig unterhalb des sichtbaren Befalls bis in eindeutig gesundes Holz zurückgeschnitten werden. Das Schnittgut muss aus dem Bestand entfernt werden.

Bei Stammgallen oder starkem Befall ist Ausschneiden problematisch, weil zusätzliche Wunden entstehen und verbleibende Bakterien verborgen sein können. In solchen Fällen sollten Aufwand, Baumalter, Ertragserwartung und Befallsumfang abgewogen werden; stark geschädigte Kübelpflanzen können hygienisch sinnvoller ersetzt werden.

Nach dem Schnitt dürfen Werkzeuge nicht ohne Reinigung an gesunden Oliven weiterverwendet werden. Pflegemaßnahmen sollten auf trockene Wetterfenster gelegt werden. Eine Laboranalyse ist besonders sinnvoll, wenn die Wucherungen atypisch aussehen oder eine wertvolle Pflanze betroffen ist.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die wirksamsten nichtchemischen Maßnahmen sind konsequente Hygiene, Entfernung von Befallsherden, Vermeidung unnötiger Verletzungen und ein luftiger, trockener Pflanzenbestand. Befallene Zweige bei trockenem Wetter entfernen und Werkzeug nach jedem betroffenen Baum reinigen.

Im ökologischen Anbau können zugelassene kupferhaltige Präparate je nach Kultur, Anwendungszweck und Zulassungssituation vorbeugend zur Reduzierung der Bakterienlast an gefährdeten Wunden beitragen. Sie ersetzen weder Hygienemaßnahmen noch die Entfernung stark befallener Partien. Nützlingsförderung ist gegen dieses Bakterium nicht mit einer klassischen Schädlingsbekämpfung gleichzusetzen; indirekt hilft jedoch ein insgesamt vitaler, stressarmer Pflanzenbestand.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, fachgerecht kontrolliertes Pflanzgut und saubere Vermehrungsunterlagen verwenden.
  • Olivenbäume möglichst luftig, sonnig und mit guter Drainage kultivieren; Staunässe und unnötig dichte Kronen vermeiden.
  • Schnittarbeiten in Deutschland bevorzugt bei trockener Witterung und nicht unmittelbar vor Regen durchführen.
  • Schnittwerkzeuge zwischen Bäumen und besonders nach Arbeiten an verdächtigen Pflanzen reinigen und desinfizieren.
  • Größere Verletzungen vermeiden; Frostschutz und schonende Pflege reduzieren Eintrittspforten.
  • Gallen regelmäßig kontrollieren und stark befallene Zweige frühzeitig aus dem Bestand entfernen.
  • Infiziertes Schnittgut nicht kompostieren, sondern nach den örtlichen Vorgaben entsorgen.
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Wissenswertes

  • Die Krankheit wurde historisch bereits im Altertum an Oliven beschrieben.
  • Der Erreger gehört zu einer Gruppe holzbewohnender Pseudomonas-Pathovare, deren Wirtsbereiche nicht beliebig gleichgesetzt werden dürfen.
  • Die auffälligen Knoten sind keine Pilzfruchtkörper, sondern durch fehlgesteuertes Pflanzenwachstum gebildete Gewebewucherungen.
  • Das Bakterium kann äußerlich auf scheinbar gesundem Pflanzengewebe vorkommen, ohne dort sofort sichtbare Symptome zu verursachen.
  • Die frühere Bezeichnung Pseudomonas syringae subsp. savastanoi ist in älterer Fachliteratur weiterhin häufig anzutreffen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwenden, die für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Abstände, Auflagen und Anwendungszeitpunkt können sich ändern; stets das aktuelle amtliche Etikett beziehungsweise die Datenbank des BVL beachten. Keine nicht zugelassenen Antibiotika oder selbst zusammengestellten Mittel anwenden.