StaunässeQuelle: Wikimedia CommonsM J RichardsonCC BY-SA 2.0
Umweltstress

Staunässe

Kurzüberblick

Staunässe – Kurzüberblick

Staunässe entsteht, wenn Wasser im Boden oder Pflanzsubstrat nicht ausreichend abläuft und die luftführenden Poren verdrängt. Den Wurzeln fehlt dadurch Sauerstoff: Pflanzen können trotz nasser Erde welken, vergilben, schlecht wachsen und Wurzelfäule entwickeln. Besonders gefährdet sind empfindliche Arten in verdichtetem, tonigem Boden sowie Gefäßpflanzen ohne ausreichenden Wasserabzug.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Feinwurzeln und Wurzelhals; sekundär Blätter, Triebe, Blüten, Früchte und das gesamte Pflanzenwachstum.
Begünstigende BedingungenDauerregen und Starkregen, schwere Ton- oder Lehmböden, Bodenverdichtung, hohe Grundwasserstände, Senken, verstopfte Abläufe sowie Gefäße ohne freien Wasserabzug; warme, sauerstoffzehrende Nässe ist meist besonders schädlich.
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Überblick

Staunässe bezeichnet einen Zustand, in dem Wasser über längere Zeit im Wurzelraum steht oder das Substrat vollständig gesättigt bleibt. Das Wasser verdrängt die Luft aus den Poren; dadurch sinkt die Sauerstoffversorgung der Wurzeln stark. Die Pflanze kann dann Wasser und Nährstoffe nicht mehr normal aufnehmen und zeigt häufig Welke trotz feuchter Erde.

Kurze Pfützen nach einem Starkregen werden von vielen Pflanzen toleriert. Kritisch sind länger anhaltende oder wiederkehrende Sättigung, besonders bei warmem Wetter und während der aktiven Wachstumsphase. Empfindlichkeit und Erholungsfähigkeit unterscheiden sich deutlich zwischen Pflanzenarten und Sorten.

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Symptome und Erkennung

Typisch sind zunächst schlaffe oder welkende Blätter trotz nassem Boden, gefolgt von Vergilbung, Blattfall, Wachstumsstockung und Absterben einzelner Triebe. Blätter können zwischen den Adern aufhellen, weich werden oder braune bis dunkel gefärbte Gewebebereiche entwickeln.

Beim Ausgraben sind Feinwurzeln oft braun bis schwarz, weich, geruchsauffällig oder bereits weitgehend verschwunden. Bei Gehölzen kann sich die Rinde an geschädigten Trieben lösen; krautige Pflanzen treiben im Frühjahr verspätet aus oder kollabieren. Diese Symptome sind nicht allein beweisend: Welke bei nasser Erde kann auch durch Phytophthora-, Pythium- oder andere Wurzelkrankheiten verursacht werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Hauptursachen sind lang anhaltender Regen, Starkregen, schlecht durchlässige oder verdichtete Böden, ein hoher Grundwasserstand und topografische Senken. Im Garten kommen überdimensionierte Bewässerung, verschlossene Topfabläufe, wasserspeichernde Untersetzer und Wasserzufluss von Wegen, Dächern oder versiegelten Flächen hinzu.

Staunässe selbst wird nicht wie eine Infektionskrankheit übertragen. Sie kann jedoch die Ausbreitung und Schädlichkeit bodenbürtiger Wurzelpathogene fördern. Bewegtes Wasser, kontaminiertes Substrat und verschmutzte Werkzeuge können solche sekundären Erreger weiterverbreiten; bei einer reinen Umweltstörung ist dieser Mechanismus nicht zwingend vorhanden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Es handelt sich nicht um einen Erreger mit eigenem Entwicklungszyklus. Der Schaden beginnt, wenn die Bodenporen mit Wasser gefüllt sind und der Sauerstoff rasch verbraucht wird. Zuerst wird die Wurzelatmung eingeschränkt, danach sinken Feinwurzelbildung und Wasser- sowie Nährstoffaufnahme. Bei längerer Dauer sterben Wurzelzellen ab; geschädigtes Gewebe kann anschließend von bodenbürtigen Krankheitserregern besiedelt werden.

Nach dem Abtrocknen kann sich die Pflanze erholen, wenn genügend funktionsfähige Wurzeln erhalten bleiben. Stark verfaultes Wurzelwerk, länger anhaltende Überschwemmung oder wiederholte Staunässe führen dagegen häufig zu bleibenden Schäden.

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Behandlung und Bekämpfung

  1. Ursache feststellen: Steht Wasser an der Oberfläche, ist der Boden in der Tiefe gesättigt oder ist nur ein Gefäßablauf blockiert?
  2. Wasserzufuhr stoppen und oberirdisches Wasser vorsichtig ableiten, ohne nassen Boden zu verdichten.
  3. Kübelpflanzen aus dem nassen Substrat nehmen, Wurzeln prüfen, eindeutig verfaultes Gewebe entfernen und in frisches, luftiges Substrat setzen.
  4. Bei Freilandpflanzen die Bodenstruktur und Entwässerung verbessern; stark geschädigte Pflanzen gegebenenfalls zurückschneiden oder ersetzen.
  5. Nach der Sanierung nur mäßig gießen und die Pflanze vor weiterer Staunässe schützen. Düngung erst wieder aufnehmen, wenn neues Wachstum und ein funktionsfähiger Wurzelraum erkennbar sind.
  6. Bleiben Welke, Kranzverfärbungen oder Wurzelfäule trotz abgetrocknetem Boden bestehen, eine Labor- oder Fachberatung zur Abgrenzung von Phytophthora, Pythium und anderen Wurzelkrankheiten einholen.
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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Staunässe zuerst mechanisch beheben: Wasser ableiten, Untersetzer leeren, verstopfte Abflussöffnungen reinigen und Gefäße auf Füße stellen.
  • Bei Kübelpflanzen die Wurzeln kontrollieren. Weiche, schwarze oder faul riechende Wurzeln mit sauberem Werkzeug entfernen und in frisches, strukturstabiles, gut drainierendes Substrat umtopfen.
  • Verdichtete Beete nur bei ausreichend trockenem Boden vorsichtig lockern; nassen Boden nicht betreten oder bearbeiten, da dies die Verdichtung verstärkt.
  • Reifen Kompost oder gut verrottetes organisches Material zur langfristigen Strukturverbesserung einarbeiten. Kies oder grobes Material als isolierte Schicht am Grund eines Pflanzlochs verbessert die Drainage meist nicht.
  • In regelmäßig nassen Bereichen Hochbeete, bepflanzte Versickerungsmulden oder geeignete Entwässerungslösungen anlegen und standortgerechte, nässetolerante Pflanzen auswählen.
  • Bei verdächtiger Wurzelfäule befallene Pflanzenteile nicht kompostieren und Werkzeuge sowie Töpfe reinigen.
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Vorbeugung

  • Vor der Pflanzung die Versickerung prüfen und empfindliche Pflanzen nicht in Senken, auf verdichtetem Untergrund oder in regelmäßig überstauten Bereichen setzen.
  • Beete leicht erhöht anlegen, Bodenstruktur mit organischer Substanz verbessern und dauerhafte Verdichtung durch Fahrzeuge oder häufiges Betreten vermeiden.
  • Bei Kübeln ausschließlich Gefäße mit ausreichenden Abzugslöchern verwenden; überschüssiges Wasser nach dem Gießen entfernen.
  • Bewässerung an Bodenfeuchte und Wetter anpassen. Nicht nachgießen, solange das Substrat in der Tiefe noch nass ist.
  • Bei Flächen mit dauerhaft hohem Wasserstand nässetolerante Arten wählen, statt ungeeignete Pflanzen wiederholt zu ersetzen.
  • Nach Überschwemmung mit Abwasser oder verunreinigtem Flutwasser essbare Pflanzenteile aus hygienischen Gründen nicht verwenden.
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Wissenswertes

  • Eine staunasse Pflanze kann welken, obwohl reichlich Wasser vorhanden ist: Nicht das Wasser fehlt, sondern der Sauerstoff im Wurzelraum.
  • Sauerstoff bewegt sich im Wasser wesentlich langsamer als in Luft; deshalb verschlechtert sich die Wurzelversorgung in gesättigtem Boden schnell.
  • Sommerliche Staunässe ist für viele Pflanzen gefährlicher als winterliche Nässe, weil Wachstum, Atmung und Sauerstoffverbrauch dann höher sind.
  • Wasserliebende Arten besitzen Anpassungen an sauerstoffarme Böden, während viele typische Garten- und Kübelpflanzen empfindlich reagieren.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für Staunässe gibt es keine allgemein geeignete Pflanzenschutzmittel-Behandlung. Pflanzenschutzmittel dürfen nur eingesetzt werden, wenn ein Produkt für die betreffende Kultur und das konkrete Problem in Deutschland aktuell zugelassen ist; stets das aktuelle Etikett und die gesetzlichen Anwendungsbestimmungen beachten. Die entscheidenden Maßnahmen sind Boden- und Wasserhaushalt, Hygiene sowie gegebenenfalls die Diagnose sekundärer Wurzelkrankheiten.