Phytophthora-Wurzelfäule durch Phytophthora cinnamomiQuelle: Wikimedia CommonsJerzy OpiołaCC BY-SA 4.0
Krankheit

Phytophthora-Wurzelfäule durch Phytophthora cinnamomi

Phytophthora cinnamomi
Kurzüberblick

Phytophthora-Wurzelfäule durch Phytophthora cinnamomi – Kurzüberblick

Phytophthora cinnamomi ist ein bodenbürtiger Eipilz, der vor allem Feinwurzeln und den Wurzelhals zahlreicher Gehölze, Zierpflanzen, Obst- und Nutzpflanzen befällt. Typisch sind schleichender oder plötzlich einsetzender Welke, Blattaufhellung, Kümmerwuchs und das Absterben ganzer Pflanzen in dauerhaft feuchten, schlecht drainierten Böden. Eine sichere Bestimmung erfordert meist eine Laboruntersuchung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Feinwurzeln und der Wurzelhals; bei Gehölzen auch Kronenbasis und unterer Stamm. Oberirdisch sind Blätter, Triebe und die gesamte Krone durch den gestörten Wasser- und Nährstofftransport betroffen.
Begünstigende BedingungenWarme, dauerhaft feuchte oder staunasse Böden, schlechte Drainage, verdichtetes Substrat, häufige Bewässerung, Verletzungen am Wurzelhals und verschleppte kontaminierte Erde oder Wasser.
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Überblick

Der Erreger befällt vor allem junge, aktive Feinwurzeln. Dadurch sinkt die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, obwohl der Boden feucht sein kann. Oberirdisch entsteht zunächst ein Bild, das einer Trockenheit ähnelt: Die Blätter bleiben schlaff, verfärben sich blassgrün bis gelblich und die Pflanze wächst nur schwach. Je nach Wirt, Sorte, Bodentemperatur und Befallsstärke kann der Verlauf langsam über mehrere Jahre oder innerhalb einer Vegetationsperiode tödlich sein.

Bei Gehölzen können zusätzlich der Wurzelhals und der untere Stamm betroffen sein. Die deutsche Bezeichnung „Phytophthora-Wurzelfäule“ ist eine praktische Sammelbezeichnung; ähnliche Symptome können jedoch auch durch andere Phytophthora-Arten, Armillaria, Nematoden, Staunässe oder Wurzelschäden entstehen. Eine sichere Artbestimmung gelingt am zuverlässigsten durch Untersuchung frischer Wurzel- und Übergangsgewebeproben in einem Diagnoselabor.

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Symptome und Erkennung

  • Welke trotz feuchter Erde; die Blätter erholen sich nach dem Gießen nicht wie bei reinem Wassermangel.
  • Blattaufhellung, Chlorosen, Kleinblättrigkeit, Kümmerwuchs, vorzeitiger Blattfall und Triebsterben.
  • Absterben einzelner Äste oder ganzer Pflanzen, besonders nach warmen, nassen Perioden oder bei hoher Verdunstung.
  • An Feinwurzeln zunächst kleine braune bis schwarze, ringförmige Läsionen; später fehlen gesunde Saugwurzeln weitgehend.
  • Befallene Feinwurzeln sind dunkel, brüchig und abgestorben. Am Wurzelhals können sich dunkelbraune Verfärbungen, Nekrosen oder nässende Bereiche zeigen.

Die Symptome sind nicht artspezifisch. Für die Diagnose sollten nicht nur abgestorbene, vollständig zerfallene Wurzeln, sondern Übergänge zwischen gesundem und frisch verfärbtem Gewebe eingesandt werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Phytophthora cinnamomi wird mit infiziertem Pflanzgut, anhaftender Erde, kontaminierten Topfsubstraten, Oberflächen- und Drainagewasser sowie Werkzeugen, Schuhen, Fahrzeugen und Tieren verschleppt. Bewegliche Zoosporen können sich in einem Wasserfilm durch gesättigte Böden und abfließendes Wasser zu neuen Wurzeln bewegen. Auch Arbeiten in nassem Boden erhöhen das Risiko, weil sie Erde verteilen und die Bodenstruktur verdichten.

In Deutschland ist vor allem die Einschleppung über Pflanzen aus Baumschulen, Containerkulturen und importiertes Pflanzenmaterial relevant. Eine lokale Ausbreitung wird durch Staunässe, verdichtete Böden, schlecht entwässerte Pflanzstellen und wiederholte Bewässerung mit kontaminiertem Wasser begünstigt. Nicht jede Phytophthora-Wurzelfäule wird allerdings von P. cinnamomi verursacht; die Art muss vom Einzelfall abhängig bestätigt werden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger kann in infizierten Wurzeln, Pflanzenresten und Boden überdauern. Bei ausreichender Bodenfeuchte bilden sich Sporangien und bewegliche Zoosporen. Diese schwimmen durch wassergefüllte Poren, werden von Wurzelausscheidungen angezogen und dringen bevorzugt in junge Feinwurzeln ein. Dort werden Gewebe zerstört und erneut sporenbildende Strukturen entwickelt.

Phytophthora cinnamomi gilt als wärmeliebende Phytophthora-Art. In Deutschland steigt das Risiko daher besonders bei warmem Sommerwetter mit häufigem Gießen, schlechter Drainage und dauerhaft feuchtem Substrat. Dauerorgane können auch längere Zeit ohne lebenden Wirt im Boden verbleiben; deshalb ist ein bloßer Pflanzentausch ohne Sanierung der Standortbedingungen oft unzureichend.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits stark geschädigte Pflanze lässt sich häufig nicht vollständig wiederherstellen. Zuerst sollte die Diagnose durch eine Beratungsstelle oder ein Pflanzendiagnoselabor abgesichert werden, weil Überwässerung, Armillaria, Wurzelschädlinge und andere Phytophthora-Arten ähnlich aussehen können.

Bei noch vitalen Pflanzen stehen Standortkorrekturen im Vordergrund: Bewässerung reduzieren, Ablaufwasser fernhalten, Bodenverdichtung vermeiden, den Wurzelhals frei von dauerhaft nassem Mulch halten und die Drainage verbessern. Stark befallene Pflanzen samt möglichst vielen Wurzeln entfernen. Bei wertvollen Gehölzen kann eine fachgerechte Sanierung des Pflanzlochs oder ein Standortwechsel sinnvoller sein als wiederholte Behandlungen.

Biologische Präparate oder antagonistische Mikroorganismen können unter bestimmten Bedingungen unterstützend wirken, ersetzen aber keine Drainage- und Hygienemaßnahmen. Ihre Wirksamkeit ist kultur-, produkt- und standortabhängig.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Hausgarten sind vorbeugende und kulturtechnische Maßnahmen die wichtigste „biologische“ beziehungsweise nichtchemische Strategie: gesundes Pflanzgut, luftiges und drainiertes Substrat, bedarfsgerechte Bewässerung, hygienische Werkzeuge und die Entfernung stark befallener Pflanzen.

  • Substrat und Pflanzgefäße bei Neupflanzungen sauber und frei von möglicher Befallserde verwenden.
  • Abfluss von befallenen zu gesunden Bereichen verhindern und Erde nicht mit Schuhen oder Geräten verschleppen.
  • Für Nachpflanzungen nach Möglichkeit weniger anfällige Arten oder tolerante Unterlagen wählen; eine vollständige Resistenz ist bei vielen Zier- und Nutzpflanzen nicht verfügbar.
  • Produkte mit nützlichen Mikroorganismen nur entsprechend der zugelassenen Anwendung und mit realistischer Erwartung einsetzen; sie können einen bereits etablierten Befall nicht zuverlässig beseitigen.
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Vorbeugung

  • Nur gesundes, kontrolliert erzeugtes Pflanzgut mit unauffälligem Wurzelballen kaufen; bei Containerpflanzen Wurzelhals und sichtbare Wurzeln prüfen.
  • Empfindliche Pflanzen in Deutschland auf gut drainierte, strukturstabile Böden setzen; bei Bedarf Hochbeete, Pflanzhügel oder Dränmaßnahmen verwenden.
  • Bewässerung an den tatsächlichen Bedarf anpassen und den Boden zwischen den Wassergaben ausreichend abtrocknen lassen. Staunässe und stehendes Wasser am Wurzelhals vermeiden.
  • Auf nassen Böden nicht hacken, pflanzen oder mit Maschinen arbeiten, da Verdichtung und Erdverschleppung das Risiko erhöhen.
  • Werkzeuge reinigen und zwischen Bereichen mit Krankheitsverdacht und gesunden Beständen nicht mit anhaftender Erde wechseln. Schuhe, Schubkarren und Geräte von Bodenresten befreien.
  • Erkrankte Pflanzen möglichst mit dem wesentlichen Wurzelballen entfernen und nicht in den Kompost geben. Erde nicht in andere Beete oder Gewässer verschleppen.
  • An einem bekannten Befallsstandort keine anfällige Nachpflanzung erzwingen; tolerante oder weniger anfällige Arten und Sorten nach fachlicher Beratung auswählen.
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Wissenswertes

  • Phytophthora cinnamomi ist kein echter Pilz, sondern ein pilzähnlicher Oomycet beziehungsweise Eipilz.
  • Der Erreger besitzt ein außerordentlich breites Wirtsspektrum; EPPO führt unter anderem Avocado, Ananas und zahlreiche Gehölze als dokumentierte Wirte.
  • Die beweglichen Zoosporen benötigen Wasser beziehungsweise einen Wasserfilm zur aktiven Fortbewegung. Deshalb ist Wasserführung ein zentraler Ansatzpunkt des integrierten Managements.
  • Eine welkende Pflanze in nasser Erde ist ein wichtiges Warnsignal: Zusätzliches Gießen verschärft die Ursache häufig, statt sie zu beheben.
  • Die Krankheit kann im deutschen Gartenbau besonders an empfindlichen Container- und Zierpflanzen unauffällig eingeschleppt werden, bevor deutliche Kronensymptome sichtbar werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Keine pauschale Spritz- oder Gießempfehlung: Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Ausschließlich die jeweils gültige deutsche Produktkennzeichnung beachten, Aufwandmenge, Anwendungsbedingungen, Wartezeiten und Auflagen einhalten und vor einer Anwendung die amtliche Zulassungsdatenbank beziehungsweise die zuständige Pflanzenschutzberatung prüfen. Chemische Maßnahmen können schlechte Drainage und kontaminierte Erde nicht ersetzen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

12 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.